Auf den Spuren von Fernando Pessoa

Vor dem Geburtshaus des Dichters
Wer Lissabon besucht, wird dem Herrn mit dem markanten Hut an vielen Stellen begegnen. Der Dichter und Schriftsteller Fernando Pessoa zählt zu den prominentesten Namen der Hauptstadt, sein Konterfei ziert Souvenirs für jeden Geschmack und Geldbeutel. Zu Lebzeiten weitgehend unbekannt, gilt Pessoa heute zusammen mit Luís de Camões als bedeutendster Lyriker Portugals.

Fernando Pessoa ist erst fünf Jahre alt, als sein Vater an Schwindsucht stirbt. Zwei Jahre später heiratet seine Mutter den portugiesischen Konsul in Durban. In Südafrika verbringt Pessoa ein Jahrzehnt, bevor er mit Siebzehn nach Lissabon zurückkehrt und ein Literaturstudium beginnt, das er später abbricht. Als Handelskorrespondent verdient er seinen Lebensunterhalt und führt bis zu seinem Tod ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben.

Unverwechselbar ist das faszinierende Werk Pessoas durch seine zahlreichen Heteronyme. Unter mehr als 70 verschiedenen Namen schreibt er Texte, sein Nachlass umfasst rund 24.000 Manuskripte. Zu den bedeutendsten Heteronymen zählen Alberto Caeiro, Álvaro de Campos und Ricardo Reis.

Im Altstadtviertel Chiado kommt Fernando Pessoa am 13. Juni 1888 im vierten Stock des Gebäudes am Largo de São Carlos 1-5 zur Welt. Sein Geburtshaus steht direkt gegenüber dem Teatro Nacional de São Carlos, in dem Pessoas Vater häufig als Musikkritiker beschäftigt ist. Der Dichter lebt hier bis zu seinem fünften Lebensjahr. Vor dem Gebäude befindet sich heute eine Statue, die 2008 zum 120. Geburtstag von Pessoa enthüllt wurde. Sie ist über zwei Meter hoch und hat ein Buch als Kopf. Ganz in der Nähe wird der kleine Fernando im Juli 1888 in der Basílica dos Mártires getauft.

Nach seiner Rückkehr aus Südafrika lebt Pessoa von 1908 bis 1912 am Largo do Carmo 18. Vom Fenster seines Schlafzimmers blickt er auf die Ruine des Convento do Carmo. Nur wenige Schritte von dort entfernt befindet sich das Kaffeehaus A Brasileira. Das historische Lokal, in dem mit der Bica die portugiesische Version des Espresso entsteht, zählt zu den Lieblingsplätzen des Schriftstellers. Auf der Terrasse vor dem Brasileira sitzt Pessoa heute aus Bronze gegossen und wartet geduldig auf seinen Kaffee. Zahlreiche Touristen leisten ihm dabei Gesellschaft, ein Selfie mit dem Poeten zählt für Viele zum Pflichtprogramm.

Eine der wenigen Fotografien von Pessoa entsteht in der Bar A Licorista in der Rua dos Sapateiros 218. In den Räumlichkeiten befindet sich jetzt ein Restaurant, nur der Name ist bis heute geblieben. Im unter den Arkaden am Praça do Comércio gelegenen Café-Restaurant Martinho da Arcada verbringt der Autor viele Musestunden seiner letzten Lebensjahre. Drinnen wird bis heute der Tisch freigehalten, an dem er nach seinen Arbeitstagen im Handelskontor ein Gläschen trinkt und schreibt. Zum letzten Mal nimmt Pessoa hier am 25. November 1935 Platz, vier Tage vor seinem Tod.

Von 1920 bis zu seinem Tod lebt der Schriftsteller in der Rua Coelho da Rocha 16 im Stadtteil Campo de Ourique. Das Gebäude beherbergt heute das Museum und Kulturzentrum Casa Fernando Pessoa.

Beigesetzt ist Fernando Pessoa im Hieronymitenkloster von Belém, das den Status eines nationalen Pantheons besitzt. Im Klostergang können Literaturfreunde dem genialen Schriftsteller eine letzte Ehre erweisen.

Casa Fernando Pessoa
Rua Coelho da Rocha 16
Montag bis Samstag 10-18 Uhr, Eintritt 3 Euro
Englischsprachige Führungen am Montag, Freitag und Samstag jeweils um 11.30 Uhr

Lesetipps

Stand: September 2017

Pessoas Geburtshaus am Largo de São Carlos
Die Taufkirche Basílica dos Mártires




Das Wohnhaus am Largo do Carmo
Die Statue vor dem A Brasileira
Im Martinho da Arcada verkehrte Pessoa noch vier Tage vor seinem Tod
Die letzte Ruhestätte des Dichters
Fernando Pessoa im A Licorista

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