Die römischen Galerien

Zweimal im Jahr öffnet sich in Lissabon die Unterwelt. Mitten in der Rua da Conceição, in der gewöhnlich die Straßenbahn 28 rumpelt und der Autoverkehr tost, steigt man über eine enge Treppe hinab in die Galerias Romanas, die im 1. Jahrhundert nach Christus als untere Etage eines öffentlichen Gebäudes im Hafenviertel errichtet wurden.

Erst nach dem Erdbeben 1755 wurden die Galerien wiederentdeckt. Seit den 1980er Jahren sind sie der Öffentlichkeit zugänglich, was jedes Mal aufs Neue einen enormen logistischen Aufwand bedeutet. Denn die Hinterlassenschaften der Römer im Bauch der Stadt sind normalerweise von Grundwasser geflutet, sie werden eigens für den Besucherstrom leergepumpt. Und dieser Strom ist gewaltig.

Als ich eine halbe Stunde vor der Öffnung am Ort des Geschehens eintreffe, hat sich bereits eine lange, erwartungsfrohe Schlange gebildet. Und das am Freitag, traditionell der besucherärmste Tag. Während meiner zweistündigen Wartezeit erzählt eine Helferin, dass im vergangenen Jahr die Schlange sonntags bereits um 9.15 Uhr geschlossen wurde, also eine Dreiviertelstunde vor Beginn der ersten Führung. Die Besucher standen seinerzeit bis zu acht Stunden an, da konnte ich mich über 120 Minuten wirklich nicht beklagen.

Lohnt sich die Besichtigung? Das hängt in erster Linie davon ab, wie viel Begeisterung man für römische Geschichte und Baukunst aufbringt. Zu sehen gibt es erstaunlich gut erhaltene Gewölbe und schmale Gänge, durch die man teilweise nur gebückt gehen kann.

In meinen Augen lebt der Besuch jedoch hauptsächlich von dem Gefühl, ein sehr seltenes Privileg zu genießen. Eine gute Portion Mystik ist natürlich auch mit im Spiel, schließlich sind durch die Galerien bereits vor 1.900 Jahren Menschen gewandelt. Für all jene, die nur wenige Tage in Lissabon verbringen, ist der Zeitaufwand aber eigentlich zu hoch.

Galerias Romanas
Rua da Conceição 77
Geöffnet jeweils drei Tage (Freitag-Sonntag) im April und September von 10-17 Uhr

Stand: April 2015










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