Hikidashi, die japanische Taverne

Ich liebe die portugiesische Küche. Wann immer ich in Lissabon bin, mache ich mich freudig über all die oftmals sehr herzhaften Leckereien her, die am Westrand Europas auf der Speisekarte stehen.

Meistens bekomme ich aber nach ein paar Tagen Lust auf etwas Abwechslung, ziemlich oft steht mir der Sinn dann nach japanischer Küche. Nun herrscht in Lissabon wahrlich kein Mangel an entsprechenden Gaststätten. Meist handelt es sich aber um Buffet-Restaurants, in denen man für etwa zehn Euro so viel isst wie man will oder kann. Dass bei diesen Preisen die Qualität nicht immer im Vordergrund steht, ist keine Überraschung.

Da ist es um so erfreulicher, dass im Dezember 2014 mit dem Hikidashi im Stadtteil Campo de Ourique eine japanische Taverne eröffnet wurde, die Gerichte aus dem Land der aufgehenden Sonne vom allerfeinsten bietet.

Das kleine, schmale Restaurant verfügt über 22 Plätze und besteht praktisch nur aus einer langen Theke, an der die Gäste Platz nehmen. Das Interieur wird von dunklem Holz dominiert, asiatische Folklore sucht man vergebens. Da man im Hikidashi nebeneinander an der Theke sitzt, ist das Lokal ideal für ein Essen zu zweit, für Gruppen ist es in meinen Augen eher unkommunikativ.

Auf der Speisekarte stehen neben Suppen, Sushi und Sashimi auch etliche Robata-Grillgerichte, die erfreulicherweise nicht an der Theke, sondern in einem abgetrennten Küchenbereich zubereitet werden. Wir beschränken uns bei unserem ersten Besuch im Hikidashi überwiegend auf kalte Klassiker und sind schlichtweg begeistert. Das Sashimi ist an Frische und Geschmack kaum zu übertreffen, die mit Huhn gefüllten Gyōza, die kunstvoll angerichteten Lachs-Gunka und der zarte Soft Shell Crab sind allesamt zum niederknien lecker.

Dass solche Qualität ihren Preis hat, versteht sich eigentlich von selbst. 70 Euro für zwei Personen sind für das Gebotene absolut angemessen. Einzig der offene Weißwein kann nicht überzeugen und ist mit vier Euro pro Glas auch zu teuer. Mit einem japanischen Kirin-Bier ist man besser bedient.

Nach Japanern hält man im Hikidashi übrigens vergeblich Ausschau. Der Küchenchef stammt ebenso wie die übrigen Mitarbeiter aus São Paulo. Nicht weiter verwunderlich, schließlich ist in der brasilianischen Metropole die größte japanische Gemeinde außerhalb Nippons ansässig. Im Hikidashi verbinden sich jedenfalls brasilianische Gastfreundschaft und japanische Gaumenfreuden zu einer ziemlich perfekten Kombination.

Hikidashi - Taberna Japonesa
Rua Coelho da Rocha 20, Telefon 213 955 555
Donnerstag-Samstag 12-15 Uhr und 20-2 Uhr,
Dienstag, Mittwoch und Sonntag 12-15 Uhr und 20-0 Uhr

Stand: Februar 2015

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