Casa do Alentejo

Alentejo - Ein Volk, eine Kultur, eine Region
Hinter einer diskreten Hausfassade in der Lissabonner Unterstadt verbirgt sich ein architektonisches Kleinod, in das man bei einem Rundgang durch die Baixa unbedingt zumindest einen Blick werfen sollte. Denn wer die Tür des Palácio Alverca öffnet und die Treppe hinauf ins Atrium der Casa do Alentejo steigt, fühlt sich nicht zu unrecht in eines der Märchen aus tausend und einer Nacht versetzt.

Im Lissabon des frühen 20. Jahrhunderts war es üblich, dass reiche Geschäftsleute aus der Provinz eigene Heimatklubs gründeten, um bei einem Aufenthalt in der damals noch sehr fernen Hauptstadt unter Ihresgleichen bleiben zu können. Die südlich von Lissabon gelegene Region Alentejo ist traditionell von riesigen Landgütern geprägt, den dortigen Großgrundbesitzern mangelte es nicht an Mitteln, sich in der Kapitale ein wahrlich herrschaftliches Domizil einzurichten.

Die 1932 gegründete Casa do Alentejo verblüfft mit einem kuriosen Stilmix. Neben dem maurisch gehaltenen Atrium beherbergt sie einen barock anmutenden Ballsaal mit schweren Kronleuchtern, Rauch- und Leseräume mit düsteren Ölschinken, ein Billardzimmer sowie ein Restaurant mit sehenswerten Azulejos. Lampen und bunte Glasfenster aus der Belle Époque runden das Ambiente ab.

Morbider Charme


Zentraler Punkt der Casa ist das weitläufige Atrium, in dessen Mitte ein hübscher Springbrunnen leise vor sich hin plätschert. Von dort aus führen Treppen hinauf in die zwei oberen Stockwerke. Auch wenn der Zahn der Zeit deutlich sichtbar an ihr genagt hat, verströmt die düstere Casa do Alentejo noch immer einen herrschaftlichen, wenn auch leicht morbiden Charme. Unter den Füßen knarrt das Parkett, von vielen Decken und Wänden blättert die Farbe, die schweren Ledersessel sind spröde und rissig.

In der zweiten Etage befindet sich das Restaurant, das sicher auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Es gehört jedenfalls nicht zu meinen Lieblingsplätzen in Lissabon, die dort gebotene Hausmannskost ist bestenfalls solide. Wer Lust verspürt, die gastronomischen Verlockungen des Alentejos zu erforschen, ist in Restaurants wie dem Magano oder dem Trempe besser aufgehoben. Ein Blick in die beiden Speiseräume lohnt sich aber in jedem Fall, allein schon wegen der wunderbaren Azulejos.

Casa do Alentejo
Rua das Portas de Santo Antão 58, Telefon 213 405 140
Täglich 10-23 Uhr

Stand: Februar 2015

Das Atrium im maurischen Stil

Bunte Glasfenster aus der Belle Époque

Der barock anmutende Ballsaal
Arabische Stilelemente im Treppenhaus
Die Wände des Restaurants sind mit Azulejos verkleidet
Die diskrete Außenfassade

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