Fußball in Lissabon

Im Estádio da Luz

Nicht erst seit dem Gewinn der EM 2016 gehört das kleine Portugal zu den ganz großen Fußballnationen. Gerade Lissabon bietet reichlich Gelegenheiten für einen Stadionbesuch. Denn neben Rekordmeister Benfica - der mit Abstand populärste Klub am Westrand Europas - spielen mit Sporting und Belenenses noch zwei weitere Hauptstadtklubs in der ersten portugiesischen Liga.

Mit mehr als 150.000 Mitgliedern ist SL Benfica einer der mitgliederstärksten Fußballklubs der Welt. Ich selbst bin seit vielen Jahren ein Sócio der stolzen Adler und habe eine Dauerkarte für das Estádio da Luz, das offiziell Estádio do Sport Lisboa e Benfica heißt.

Bis zum Neubau im Jahr 2003 war die Heimstätte von Benfica mit einem Fassungsvermögen von 120.000 Zuschauern das größte Stadion in Europa. Nach wie vor ist die Kathedrale des portugiesischen Fußballs mit 65.000 Plätzen das größte Stadion des Landes, unter anderem wurden hier die Endspiele der EM 2004 und der Champions League 2014 ausgetragen.

Sehenswert ist auch das 2013 direkt neben dem Stadion eröffnete Museum Cosme Damião, das auf einer Ausstellungsfläche von 4.000 Quadratmetern die Vereinsgeschichte feiert. Wer keine Gelegenheit hat, ein Heimspiel von Benfica zu besuchen, kann bei einer geführten Tour neben dem Museum auch das Stadion von innen erleben.

Keine vier Kilometer entfernt liegt gleichfalls an der Ringstraße Segunda Circular das Estádio José Alvalade XXI. Das anläßlich der EM 2004 errichtete Stadion von Sporting CP mit einem Fassungsvermögen von 50.000 Zuschauern ist wegen seiner gekachelten Außenfassade im Volksmund als das größte WC der Stadt bekannt. Fußball wird auch hier gespielt, und es soll Menschen geben, die sich dort heimisch fühlen.

Dritter im Bunde ist Belenenses, das seine Spiele im oberhalb des Hieronymitenklosters gelegenen Estádio do Restelo mit Platz für 25.000 Fans austrägt. Der Klub aus dem Stadtteil Belém gehört zum exklusiven Kreis von nur fünf Vereinen, denen es im Laufe von über acht Jahrzehnten gelang, die portugiesische Meisterschaft zu erringen. Auch wenn der bislang einzige Titelgewinn aus dem fernen Jahr 1946 stammt, ist man in Belém noch heute sehr stolz auf diesen Erfolg.

Allein die Aussicht von den Tribünen auf das Kloster und den Tejo lohnt schon einen Besuch der 1956 erbauten und 2004 umfassend renovierten Spielstätte. Nicht selten schippert obendrein ein Kreuzfahrtschiff am zum Fluß hin offenen Stadion vorbei in Richtung Atlantik. Ziemlich exklusiv ist dieses Vergnügen noch dazu, denn der Zuschauerschnitt von Belenenses liegt bei weniger als 2.000 Fans pro Spiel.

Geheimtipps für Fußballromantiker


Echte Geheimtipps für Fußballromantiker sind die Stadien des Atlético Clube de Portugal und des Clube Oriental de Lisboa. Beide Vereine spielten in besseren Zeiten in der ersten Liga, stiegen aber im Sommer 2016 gemeinsam in die Drittklassigkeit ab.

Atlético ist ist im Stadtteil Alcântara beheimatet. Längst vergangen sind die Tage, in denen der Klub insgesamt 24 Jahre in der ersten Liga spielte. Im Schatten der Fußballriesen Benfica und Sporting fristet Atlético heute ein bescheidenes Dasein.

Am Estádio da Tapadinha hat deutlich sichtbar der Zahn der Zeit genagt. Die weiß gestrichenen Tribünen bieten einen wunderbaren Ausblick auf die Ponte 25 de Abril und die Christusstatue am anderen Flussufer. Gegenüber der Haupttribüne erheben sich der Cemitério dos Prazeres und die majestätische Kuppel der Basílica da Estrela.

Doch diese schönen Aussichten haben leider nur wenig mit der wirtschaftlichen wie sportlichen Realität von Atlético gemein. Trotzdem - noch wahrscheinlicher gerade deswegen - trifft man hier bei fast jeder Begegnung auf ausländische Groundhopper, für die ein Besuch im Estádio da Tapadinha zum Pflichtprogramm zählt.

Gleiches gilt für den Campo Engenheiro Carlos Salema, der in früheren Zeiten über 8.500 Sitzplätze verfügte. Inzwischen finden nur noch 4.000 Fans Einlass in die Sportstätte, aber das ist natürlich mehr als genug. Große Fußballschlachten wurden hier vor allem in den 1950er Jahren geschlagen, in denen Oriental sieben Spielzeiten in der ersten Liga verbrachte.

Ursprünglich vor den Toren der Stadt erbaut, liegt der alte Sportplatz heute im dicht besiedelten Neubaugebiet von Marvila. Das Spielfeld ist an drei Seiten von einer sieben Stufen hohen Tribüne eingefasst, hinter dem Tor in Blickrichtung Tejo gewährt eine niedrige Mauer gute Sicht auf den Fluß. Überall im Stadion bröckelt der Putz, Blumen und Unkraut sprießen.

Direkt an der Gegentribüne liegt so viel Bauschutt wurfbereit, dass deutsche Ordnungshüter hier nicht einmal ein Spiel der F-Jugend genehmigen würden. Die Sitzplätze auf den Steinstufen sind mit granatroten Pinselstrichen markiert, hinter der Haupttribüne rundet eine Ruine den historischen Charme der Szenerie perfekt ab.

Ein weiterer Drittligist aus Lissabon ist der Casa Pia Atlético Clube. Eine einzige Spielzeit trat der 1920 gegründete Verein bislang in der ersten Liga an. 1938 war das, im Gründungsjahr der Liga. Das Estádio Pina Manique im Stadtteil Boavista wurde 1954 eingeweiht und bietet heute Platz für 2.600 Zuschauer. Neben der kleinen Haupttribüne mit fünf Sitzreihen wurden zu beiden Seiten Stehränge errichtet, auf der Linken sind die Auswärtsfans untergebracht.

In einer Blechhütte vor der Tribüne befindet sich eine kleine Bar. Für zwei Bier, ein Schnitzelbrötchen und einen Espresso habe ich dort im Dezember 2016 4,80 Euro gezahlt. Im Preis inbegriffen war in meinem Kaffee ein ordentlicher Schuss Schnaps, den mir der fürsorgliche Wirt spendierte.

Kurzum, jeder Stadionbesuch in Lissabon ist ein einzigartiges Erlebnis. Wer Fußball liebt, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Karten sind in aller Regel an den Tageskassen erhältlich. Wer ganz sicher gehen will, kann Tickets für die Begegnungen von Benfica und Sporting auch vorab online auf der Homepage des jeweiligen Vereins erwerben und per Kreditkarte bezahlen.

Estádio do Sport Lisboa e Benfica (Estádio da Luz)
Avenida Eusébio da Silva Ferreira

Estádio José Alvalade XXI
Rua Professor Fernando da Fonseca

Estádio do Restelo
Avenida do Restelo

Estádio da Tapadinha
Estádio da Tapadinha

Campo Engenheiro Carlos Salema
Rua José do Patrocínio 94

Estádio Pina Manique
Rua das Buganvílias 1

Stand: Mai 2017

Estádio da Luz

Estádio da Luz
Estádio José Alvalade XXI
Estádio do Restelo
Estádio do Restelo

Estádio da Tapadinha

Estádio da Tapadinha
Campo Engenheiro Carlos Salema

Campo Engenheiro Carlos Salema
Estádio Pina Manique

Estádio Pina Manique

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