Der reichste Mann der Welt

Calouste Gulbenkian vor seinem Museum
Wir schreiben das Jahr 1942. Fast ganz Europa liegt in den Fesseln eines Weltkriegs, in dem Tag für Tag tausende Menschen ihr Leben verlieren. Doch am Westrand des Kontinents herrscht Frieden, denn Diktator Salazar hat es mit Hilfe unzähliger diplomatischer Winkelzüge verstanden, sein Land weitestgehend aus dem Konflikt herauszuhalten.

In dieser Zeit macht Lissabon seinem Ruf als Stadt des Lichts gleich doppelt Ehre. Denn nicht allein die lusitanische Sonne tröstet all jene, die hier Zuflucht finden. Lissabon gehört in diesen Tagen zu den wenigen Metropolen des alten Kontinents, die nicht aus Furcht vor nächtlichen Bombenangriffen verdunkelt sind, sondern im abendlichen Lichterglanz erstrahlen.

In dieses Lissabon des Friedens und des Lichts flüchtet sich in jenem Schreckensjahr auch ein Ölmagnat, der als reichster Mann der Welt gilt. Calouste Gulbenkian entstammt einer wohlhabenden armenischen Familie aus Istanbul. Nach seiner Ausbildung in Marseille und London legt er den Grundstein für sein Vermögen als Vermittler internationaler Ölgeschäfte. Er lebt in Paris und London und wird schließlich britischer Staatsbürger.

Von klein auf ein Liebhaber der bildenden Künste, investiert Gulbenkian einen guten Teil seines ungeheueren Reichtums in eine Kunstsammlung. Im Laufe der Jahrzehnte trägt er Gemälde, Skulpturen und kunsthandwerkliche Arbeiten aus fast allen Epochen zusammen. Als Gulbenkian 1942 das besetzte Paris verlässt, gelingt es ihm, seine inzwischen unschätzbar wertvolle Sammlung ebenfalls nach Lissabon zu bringen.

Während seiner Jahre in Lissabon lebt der Ölmagnat im Hotel Aviz, wo er 1955 im Alter von 86 Jahren auch stirbt. In der portugiesischen Hauptstadt gründet Gulbenkian die mit einem Startkapital von 67 Millionen Dollar ausgestattete Stiftung Fundação Calouste Gulbenkian, in die er auch seine Kunstsammlung überführt. Eine für die damalige Zeit ungeheuere Summe. So verschlang die Errichtung der 1966 eröffneten Tejobrücke umgerechnet lediglich 32 Millionen Dollar.

Eine Oase der Ruhe


Im Jahr 1969 eröffnet die Stiftung das Museu Calouste Gulbenkian, in dessen Dauerausstellung rund 6.000 Exponate zu besichtigen sind, unterteilt in siebzehn zeitgeschichtlich und geographisch gegliederte Abteilungen.

Die Sammlung besteht aus den Bereichen Altertum, Kunst des islamischen Osten, armenische Kunst, fernöstliche Kunst, Malerei, Skulpturen, Kunstgewerbe und Buchkunst. Den Arbeiten von René Lalique ist eine eigene Abteilung gewidmet, dazu kommen wechselnde Sonderausstellungen. Zu den wichtigsten Exponaten des Museums gehören Bilder von Manet, Monet und Rembrandt.

Auch wenn ich persönlich immer etwas überfordert von Sammlungen bin, die solch weite Teile der Kunstgeschichte umfassen, gehört das Gulbenkian-Museum natürlich zu den Kronjuwelen europäischer Privatsammlungen und ist absolut sehenswert. Für einen Besuch sollte man mindestens zwei bis drei Stunden einplanen.

Das Museum verfügt übrigens auch über einen sehr schönen Gartenbereich, in dem unter anderem ein kleines Amphitheater für Konzertveranstaltungen untergebracht ist. Nach dem Museumsbesuch lädt diese Oase der Ruhe inmitten der Stadt zum Verweilen und Entspannen ein.

Museu Calouste Gulbenkian
Avenida Berna 45A
Täglich außer Dienstags 10-18 Uhr, Eintritt 11,50 Euro

Stand: Juli 2017












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