Auf ein Bier ins Museum

Portugal ist eine große Weinnation, an den Hängen des Dourotals gedeihen einige der besten Rotweine der Welt. Doch am Westrand Europas weiß man auch ein gutes Bier durchaus zu schätzen. Kein Wunder, denn schließlich ist der lusitanische Sommer lang und ziemlich heiß, da erfrischt man sich gerne mit einem eiskalten Imperial, einem frisch gezapften kleinen Bier.

Die beiden großen Biermarken Sagres und Superbock sind überall im Land präsent, dazu kommen kleinere Marken wie Cristal oder Tagus, sowie in jüngster Zeit auch etliche Mikrobrauereien wie Sovina, die sich ganz auf die Herstellung besonders hochwertiger Biere konzentrieren.

Am majestätischen Terreiro do Paço in Lissabon wurde 2013 das Museu da Cerveja eröffnet, ein Biermuseum, das ganz dem Gerstensaft aus Portugal und den portugiesisch sprechenden Ländern Angola, Brasilien, Kapverden, Mosambik und São Tomé gewidmet ist.

Das Museum selbst gehört sicher nicht zu den unverzichtbaren Höhepunkten der Stadt, außer einigen Tafeln mit geschichtlichen Erklärungen, Bierflaschen und Werbeplakaten gibt es nicht wirklich viel zu sehen. Hübsch gemacht ist die Nachbildung einer alten Klosterbrauerei, die jedoch ausschließlich Atmosphäre vermittelt, aber nicht den Brauprozess veranschaulicht. Kurzum, wer nicht viel Zeit in Lissabon verbringt, kann sich den Museumsbesuch guten Gewissens ersparen. Wer trotzdem hingehen möchte, hat in 20 Minuten alles gesehen.

Ganz anders verhält es sich mit dem zum Museum gehörenden Restaurant. In den ehemaligen Räumlichkeiten des Finanzministeriums findet der Bierliebhaber praktisch alles, was das Herz begehrt, wenn auch zu ziemlich gesalzenen Preisen. Die Getränkekarte umfasst 45 Biere aus Portugal und seinen ehemaligen Kolonien, der geneigte Gast kann sich so während der Mahlzeit ganz bequem von einem Kontinent zum nächsten trinken. Wer also während seines Aufenthalts in Lissabon über genügend Budget verfügt, sollte sich den Spaß durchaus gönnen.

Denn auch das Essen ist wirklich empfehlenswert. Bei meinem Besuch wählte ich einige für Brauereistuben in Lissabon klassische Gerichte und war von deren Qualität begeistert. Der als Vorspeise servierte Stockfischkrokette war mit geschmolzenem Gebirgskäse gefüllt und einfach lecker. Mein auf typisch portugiesische Art dünn geschnittenes Rindersteak war butterzart, die dazu gereichte Senfsoße ein Gedicht. Die Pommes Frites schließlich waren so schön knusprig, dass ich selbst noch die letzten Krümel aufgesammelt und gegessen habe. Ein ausgesprochen freundlicher Service rundete die Mahlzeit perfekt ab.

Alles in allem ein sehr schöner Ausflug in die Welt der Biere, wenn man bereit ist, die für portugiesische Verhältnisse ziemlich hohen Preise zu zahlen. In Brauereistuben wie Lusitana oder Portugália bekommt man ein ähnliches Angebot für weniger Geld, wenn auch nicht in der gleichen Qualität wie im Museu da Cerveja.

Museu da Cerveja
Terreio do Paço, Ala Nascente 62
Täglich 12-22.30 Uhr, Eintritt Museum 3,50 Euro

Stand: Dezember 2014






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen