Der Friedhof der Freuden

Friedhofsspaziergänge sind sicher nicht jedermanns Sache. Wer aber eine Ader für diese Oasen der Ruhe mit ihrem morbiden Charme hat, findet in Lissabon einen besonders schönen Ort, an dem einigen reichen oder berühmten Verstorbenen der Stadt beeindruckende Mausoleen errichtet wurden.

Schon der Name ist Programm: Wo sonst außer in Lissabon findet man schließlich einen Friedhof der Freuden? Seinen verheißungsvollen Namen verdankt der Cemitério dos Prazeres dem Ortsteil Prazeres, in dem er 1833 anläßlich einer großen Choleraepidemie angelegt wurde.

Doch allein schon die geographische Lage war wohl Grund genug, dass sich der Begräbnisplatz bald großer Beliebtheit erfreute. Auf einem Hügel über dem Tejo gelegen, bietet der Friedhof heute wunderbare Ausblicke auf den Fluß, die Ponte 25 de Abril und auf die Christus-Statue am Südufer.

So haben über die Jahrzehnte hinweg die Schriftsteller Antonio Tabucchi, Eça de Queiroz und José Cardoso Pires auf dem Cemitério dos Prazeres ebenso ihre letzte Ruhestätte gefunden wie der Maler Bordalo Pinheiro, Gitarrenlegende Carlos Paredes, Fadosänger Alfredo Marceneiro oder auch Alfredo Keil, der 1890 die portugiesische Nationalhymne A Portuguesa komponierte. Dazu kann der Besucher hier das größte Familiengrabmal in Europa bestaunen, das Pedro de Sousa Holstein für sich und seine Angehörigen errichten ließ.

Literarischer Schauplatz


Auch als literarischer Schauplatz spielt der Cemitério dos Prazeres eine bedeutende Rolle. In Antonio Tabucchis Lissabonner Requiem plaudert der Protagonist dort an einem glühend heißen Sommertag mit dem Friedhofswärter und besucht später seinen alten Freund Tadeus Waclaw, der hier begraben liegt.

Und im Roman Das Todesjahr des Ricardo Reis von Nobelpreisträger José Saramago kehrt der große Schriftsteller Fernando Pessoa in Begleitung seines Heteronyms Ricardo Reis auf den Cemitério dos Prazeres zurück.

Genügend Gründe also, dem Friedhof der Freuden einen Besuch abzustatten, der verkehrsgünstig an der Endhaltestelle der berühmten Straßenbahnlinie 28 liegt, keine fünf Gehminuten von der Markthalle von Campo de Ourique entfernt.

Cemitério dos Prazeres
Praça São João Bosco
1. Mai bis 30. September täglich 9-18 Uhr, 1. Oktober bis 30. April täglich 9-17 Uhr
Der Eingang wird eine halbe Stunde vor Ende der Besuchszeit geschlossen.
Eintritt frei

Stand: September 2017






Kommentare:

  1. Wow! Das sind wundervolle Bilder. Dem Friedhof werde ich einen Besuch nächste Woche abstatten.

    Herzliche Grüße aus München,
    Alexandra

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    1. Vielen Dank, Alexandra! Ich wünsche dir eine wunderbare Zeit in Lissabon!

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