Das Verkehrsmuseum

Nur in wenigen Städten ist ein öffentliches Transportmittel so sehr zum Wahrzeichen geworden wie in Lissabon. Seit 1901 rumpeln die gelben Straßenbahnen Hügel auf, Hügel ab und erfreuen sich bei Einheimischen wie Touristen gleichermaßen großer Beliebtheit. Die aus nur einem Waggon bestehenden Trambahnen zieren heutzutage zahlreiche Souvenirs und sind natürlich auch eine der Attraktionen im Museum der Lissabonner Verkehrsbetriebe Carris.

Das Museu da Carris ist im Schatten der mächtigen Ponte 25 de Abril in der ehemaligen Zentrale der Verkehrsbetriebe im Stadtteil Santo Amaro untergebracht, deren Gelände sich von der Rua Primeiro do Maio bis fast hinab zum Ufer des Tejo erstreckt.

Eigentlich schon fast eine kleine Stadt, in der sich neben dem Straßenbahndepot auch die Werkstätten und Büros von Carris befanden, bevor diese an den Stadtrand umsiedelten. Viele dieser Gebäude dienen heute als Ausstellungsräume, die standesgemäß von einer historischen Straßenbahn verbunden werden, um den Besuchern unnötige Fußwege zu ersparen.

Gleich im ersten Ausstellungsgebäude werden zahlreiche Erinnerungsstücke aus den Anfangszeiten von Carris gezeigt, in denen die Straßenbahnen, sogenannte Americanos, ab 1873 noch von Pferdegespannen über die Schienen gezogen wurden. Weiter geht es mit Modellen der vier Aufzüge Bica, Glória, Lavra und Santa Justa, die die Unterstadt noch heute mit höher gelegenen Quartieren verbinden.

Viel Raum widmen die Verkehrsbetriebe neben den 1944 eingeführten Autobussen natürlich auch ihrer Metro, die Ende 1959 mit elf Haltestellen auf einer Strecke von 6,5 Kilometern in Betrieb ging. Heute besteht die Untergrundbahn aus vier Linien, die die portugiesische Kapitale mit einem Netz von mehr als 43 Kilometern Länge und rund 60 Haltestellen verbindet.

Zeitreise für Technikromantiker


Die weiteren Museumsgebäude lassen dann die Herzen von Technikromantikern endgültig höher schlagen. Auf über 3.000 Quadratmetern Fläche gibt es historische Straßenbahnen, Doppeldeckerbusse und Metrowaggons zu bestaunen, von denen die Meisten auch betreten werden können. Es ist eine faszinierende kleine Zeitreise, einmal auf den Bänken eines Elétricos oder Autocarros Platz zu nehmen, der seinerzeit vielleicht Fernando Pessoa, Amália Rodrigues oder Eusébio transportiert hat.

Kurz gesagt, ein Besuch des Museu da Carris mit seinem leicht in die Jahre gekommenem Charme ist absolut empfehlenswert. Für die Besichtigung sollte man mindestens eine Stunde einplanen, wobei es nicht schwer fällt, sich auch deutlich länger dort aufzuhalten.

Zusätzlich zum Museum wird gegen einen Aufpreis von 3,50 Euro noch eine halbstündige Multimediaschau mit dem Titel Lisboa, quem és tu? (Lissabon, wer bist Du?) angeboten. Ohne Worte, dafür aber mit viel Musik und bewegten Bildern wird hier die Stadtgeschichte Lissabons erzählt. Ein nettes Ergänzungsprogramm für einen regnerischen Urlaubstag. Sollte jedoch die Sonne scheinen, kann man sich die Darbietung auch ruhigen Gewissens sparen.

Museu da Carris
Rua Primeiro do Maio 101-103
Montag-Samstag 10-18 Uhr, Eintritt 4 Euro (mit Filmvorführung 7,50 Euro)

Stand: Mai 2015








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