Die Ruhmeshalle der Nation

Groß war die Trauer in Portugal, als im Januar 2014 die Fußball-Legende Eusébio im Alter von 71 Jahren starb. Bereits am Tag nach seinem Tod begann im Land eine Debatte darüber, ob der einstige Stürmerstar seine letzte Ruhestätte im Panteão Nacional finden sollte. Hier ehrt die Nation ihre Helden, oder zumindest einige von ihnen. Denn auch das Kloster Santa Cruz in Coimbra besitzt den Status eines Pantheons, darüber hinaus sind viele bedeutende Figuren der portugiesischen Geschichte in den Klöstern von Alcobaça, Batalha und Belém beigesetzt.

Die Entstehungsgeschichte des Pantheons in Lissabon ist rekordverdächtig lang. Ursprünglich als Igreja de Santa Engrácia geplant, begannen die Arbeiten an der monumentalen Barockkirche bereits 1681, wurden aber bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nicht abgeschlossen.

Erst auf Betreiben von Diktator Salazar wurde das Gebäude mit seiner mächtigen Kuppel 1966 fertiggestellt und zum Panteão Nacional umfunktioniert. Aufgrund der fast dreihundertjährigen Bauzeit existiert in Portugal das Sprichwort, etwas dauere so lange wie die Bauarbeiten von Santa Engrácia, wenn es darum geht ein nicht enden wollendes Projekt zu beschreiben.

Politiker und Literaten


Im Pantheon beigesetzt sind unter anderem Staatspräsidenten, Politiker und Literaten. Zuletzt wurde 2014 die vor zehn Jahren verstorbene Schriftstellerin Sophia Mello de Breyner Andresen hierhin überführt, ein Jahr später folgte ihr dann auch Eusébio. Dazu gedenken symbolische Grabmäler historischen Persönlichkeiten wie Luís de Camões, Pedro Álvares Cabral, Infante Dom Henrique oder Vasco da Gama, deren historische Ruhestätten unangetastet bleiben sollten.

Dass die Ruhmeshalle in Lissabon nicht die einzige Gedenkstätte für große Söhne und Töchter des Landes ist, dürfte ein Grund dafür sein warum sie sich unter Einheimischen lange Zeit keiner all zu großen Beliebtheit erfreute. Geändert hat sich dies erst, seit im Juli 2001 die sterblichen Überreste der Fadosängerin Amália Rodrigues dorthin überführt wurden, deren Grab seither stets mit unzähligen Blumen geschmückt ist.

Doch 72.000 Besucher im Jahr 2013 lassen nicht befürchten, dass man bei einer Besichtigung auf lange Warteschlangen trifft. Und ein Besuch ist durchaus lohnend, um die von Marmor dominierte Innenarchitektur des Gebäudes zu bestaunen. Dazu bietet die um die Kuppel führende Besuchergalerie sehr schöne Aussichten auf die Stadt Lissabon und die Vasco-da-Gama-Brücke. Zwei gute Gründe also, etwa 20 Minuten für die Besichtigung einzuplanen.

Panteão Nacional
Campo de Santa Clara
Dienstag-Sonntag 10-17 Uhr (letzter Einlass um 16.40 Uhr), Eintritt 3 Euro

Stand: Oktober 2015

Die Barockfassade des Panteão Nacional
Das symbolische Grabmal von Heinrich dem Seefahrer

Die Orgel aus dem 18. Jahrhundert stammte ursprünglich aus der Kathedrale von Lissabon
Die letzte Ruhestätte der Fadosängerin Amália Rodrigues

Ein Ausblick von der Kuppel des Pantheons, im Hintergrund die Ponte Vasco da Gama.
Die weiße Kuppel des Pantheons über der Silhouette der Altstadt

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