Essen in Lissabon

Wie jede europäische Hauptstadt bietet Lissabon Restaurants für jeden Geschmack und Geldbeutel. Alleine Tripadvisor verzeichnet für die portugiesische Metropole etwa 3.000 Einträge. Ob afrikanische, französische, indische und italienische, japanische oder südamerikanische Küche, alles ist im Übermaß und in jeder denkbaren Qualität vertreten.

Doch was ist eigentlich ein typisch portugiesisches Restaurant in Lissabon?

Auch in Portugal bietet jede Region ihre Spezialitäten, die meistens nahrhaft und deftig sind. Das Schöne an einem Aufenthalt in der Hauptstadt ist, dass hier alle regionalen Köstlichkeiten zu finden sind. Es ist schlichtweg unmöglich, alle kulinarischen Verlockungen des Landes in einem Artikel unterzubringen. Auf einige Besonderheiten möchte ich aber kurz eingehen.

Eine traditionelle Gaststätte in Lissabon stammt meist aus Zeiten, in denen die Gäste noch keinen gesteigerten Wert auf ein besonders originelles oder nobles Interieur legten. Man wollte einfach gut und preiswert essen gehen und einige Stunden mit der Familie oder Freunden verbringen. Viele dieser Restaurants sind deshalb auf den ersten Blick nicht besonders einladend: Der Fußboden und die Wände sind gefliest, die kleinen Tische stehen eng beieinander und sind meist mit Tischdecken und Servietten aus Papier gedeckt. Erhellt wird die Szenerie oft von Neonlicht. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. In vielen Fällen - besonders wenn das Lokal bereits gut mit Einheimischen gefüllt ist - kann es ein Qualitätsmerkmal sein.

Die Lisboetas gehen gerne und häufig ins Restaurant, sei es nun zum Mittag- oder Abendessen. Auch in Zeiten der Wirtschaftskrise sind die Lokale erstaunlich gut besucht, manchmal sogar überfüllt. Es ist nichts ungewöhnliches, dass sich vor populären Restaurants Warteschlangen bilden, in denen die Leute geduldig auf einen freien Tisch warten.

Grundsätzlich entsprechen die Essenszeiten in Lissabon denen in Deutschland. Jedoch haben die Portugiesen in den letzten Jahren immer mehr die Essgewohnheiten ihrer spanischen Nachbarn übernommen. Die Wirte haben sich den veränderten Bedürfnissen angepasst. War es noch vor zehn Jahren meistens üblich, die Küche gegen 22 Uhr zu schließen, ist es heute kein Problem mehr, auch nach 23 Uhr essen zu gehen. Selbst um diese Uhrzeit kann es hier und da noch Wartezeiten geben, vor allem am Wochenende.

Fleisch und Fisch in jeder denkbaren Variante


Wenn man an seinem Tisch Platz genommen hat, eilt in den meisten Fällen ein Kellner herbei und bringt verschiedene Teller mit Vorspeisen. In einfacheren Lokalen können dies nur Brot, Butter und Oliven sein, in gehobeneren Etablissements kommen Schinken, Käse, Garnelen, Kroketten, Krakensalat und tausend andere kleine Gaumenfreuden hinzu. Hierbei handelt es sich keineswegs um eine nette Aufmerksamkeit der gastfreundlichen Wirtsleute.

Generell gilt: Was gegessen wird, muss auch bezahlt werden. Wer keine unliebsame Überraschung erleben möchte, wartet auf die Speisekarte. Dort sind die Preise aller Vorspeisen unter dem Punkt Entradas aufgeführt. Man bittet den Kellner dann einfach, das, worauf man keine Lust hat oder was einem zu teuer ist, wieder mitzunehmen.

Auf keinen Fall fehlen darf auf der Speisekarte eines typischen Restaurants in Lissabon der Bacalhau, ein durch Trocknung haltbar gemachter Kabeljau, für den es hunderte unterschiedliche Zubereitungsarten gibt. Für genügend Abwechslung ist also gesorgt. Dazu gibt es in der Küstenstadt natürlich eine riesige Auswahl an fangfrischen Fischen und Meeresfrüchten.

Auch diejenigen, die lieber Fleisch essen, werden glücklich. Anders als in Deutschland ist es üblich, das Fleisch - sei es nun Rind, Kalb, Schwein, Ziege oder Lamm - auf Holzkohle zu grillen. Viele Lokale weisen bereits am Eingang mit den Worten Especializados em Grelhados oder Grelhados no Carvão auf ein entsprechendes Angebot hin. 

Sollte man nach dem Hauptgang noch Appetit auf eine kleine Süßspeise verspüren, wartet die portugiesische Küche mit einem nicht enden wollenden Angebot an wunderbaren Kalorienbomben auf. Besonders beliebt und weit verbreitet sind Arroz Doce (Süßer Milchreis), Pudim Flan (Eierpudding mit Karamell), verschiedene Torten sowie viele weitere Leckereien, bei denen sich der kulinarische Einfluss der Mauren durch die reichliche Verwendung von Zutaten wie Eier, Mandeln und Zucker bemerkbar macht.

Wenn man dann satt und hoffentlich zufrieden die Rechnung verlangt, sollte man in einer Gruppe erst gar nicht versuchen, eine getrennte Rechnung zu bekommen, denn man wird mit diesem Wunsch auf taube Ohren stoßen. Pro Tisch gibt es genau eine Rechnung, der Betrag wird schlicht unter allen Anwesenden aufgeteilt. Auch das in Deutschland übliche Stimmt so! ist in Lissabon unbekannt, der Kellner wird in jedem Fall das Wechselgeld auf einem kleinen Teller zurück bringen. Dort läßt man dann an Trinkgeld liegen, was einem angemessen erscheint.

In diesem Sinne: Bom Apetite!

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die Einführung in die Gastronomie Lissabons! Wie gerne würde ich jetzt das Hamburger Schmuddelwetter gegen einen Platz in der Abendsonne Lissabons, einem schmackhaften Bacalhau und einem Wein aus dem Alentejo tauschen :)

    http://www.delightfulspots.de/2015/01/30/an-einem-freitag-in-lissabon/

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    1. Sehr gerne, Sonja! Vielen Dank auch für den Link zu deinem Beitrag! Ich bin gerade in Lissabon. Wenn ich könnte, würde ich ein paar Sonnenstrahlen nach Hamburg umleiten :)

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