Das Fado-Museum

Fado ist neben dem Tango die einzige urbanen Musik, die im Laufe der Jahrhunderte nicht in museale Starre verfallen ist, sondern noch heute von vielen jungen Künstlern gelebt wird. Dies wurde im November 2011 von der UNESCO mit der Auszeichnung als immaterielles Weltkulturerbe gewürdigt. Kein Wunder also, dass die Stadt Lissabon ihrem einzigartigen kulturellen Schatz ein Museum errichtete.

Die genauen Ursprünge des Fados, dessen Name vom lateinischen Wort fatum (Schicksal) hergeleitet wird, sind bis heute unbekannt. Mit Sicherheit wird angenommen, dass sowohl maurische als auch brasilianische Musikelemente Einfluss auf seine Entwicklung hatten.

Mit dem Fado fanden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst Gestalten der Halbwelt, Diebe, Prostituierte und Zuhälter im Maurenviertel Mouraria eine musikalische Ausdrucksform, um ihr nicht immer leichtes Schicksal zu besingen.

So drehen sich viele Texte um den zentralen Begriff der Saudade, jenes portugiesischen Wortes also, für das im Deutschen keine genaue Entsprechung existiert und das sich am besten mit dem Begriff Sehnsucht umschreiben lässt. Und obwohl Fado entgegen einer weit verbreiteten Ansicht keineswegs ein reiner Jammergesang ist, handeln doch sehr viele Lieder von eben dieser Saudade, beweinen das eigene Schicksal oder erzählen von der Sehnsucht nach dem Liebsten, den sich das Meer für immer genommen hat.

Saudade und zwei Gitarren


Fado wird in seiner traditionellen Form in einer Kneipe oder Restaurant von einem Trio gespielt, das aus dem Fadista - dem Sänger oder der Sängerin - sowie einer klassischen Gitarre und einer zwölfsaitigen portugiesischen Gitarre besteht. Je nach Art des Etablissements kann es sich dabei um reine Amateure oder um professionelle Sänger und Musiker handeln. Nach dem Essen verlöschen die Lichter, und es ertönt der Ruf Silêncio, que se vai cantar o Fado! (Stille, denn es wird Fado gesungen!). 

Nach dem Ende der Diktatur des Estado Novo 1974 brachen für den Fado zunächst schwere Zeiten an, denn er zählte neben dem Fußball und dem Wallfahrtsort Fátima zu den drei "F", mit denen das totalitäre Regime angeblich versuchte, die Bevölkerung ruhig zu halten. In den 1990er Jahren kam es dann aber zu einer regelrechten Renaissance junger Fadistas, die ihrer Musik mit einer Mischung aus alten und neuen Fados den angestammten Platz im Herzen Lissabons zurückeroberten.

Zu finden ist das Museu do Fado am Largo do Chafariz de Dentro, etwa zehn Gehminuten vom Terreiro do Paço entfernt. Dort gibt es zahlreiche Erinnerungsstücke und Informationen in portugiesischer und englischer Sprache zu sehen, die die Entstehungszeit des Fados, seine internationalen Erfolge, aber auch die Zensur der Liedtexte in den Zeiten Salazars dokumentieren.

Dazu werden viele bekannte Persönlichkeiten des Fados vorgestellt, alte Gitarren und Schallplatten sowie Plakate aus den Jahren 1920 bis 1990 gezeigt. Ein im Eintrittspreis enthaltener Audio-Führer in deutscher Sprache geleitet den Besucher durch die Ausstellungsräume.

Leider ist das 1998 eröffnete Museum in meinen Augen teilweise etwas lieblos geraten. Angesichts der enormen Bedeutung, die der Fado für die Stadt hat, ist das bedauerlich. Trotzdem lohnt sich ein Besuch für all diejenigen, die in die Tiefen dieser wunderbaren Musik eintauchen möchten oder einen längeren Aufenthalt in der Stadt verbringen. Für den Besuch sollte man etwa eine Stunde einplanen. Kameras müssen zuvor an der Garderobe abgeben werden, denn im Museum ist das Fotografieren verboten.

Museu do Fado
Largo do Chafariz de Dentro 1
Dienstag-Sonntag 10-18 Uhr, Eintritt 5 Euro

Stand: Mai 2014

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